Um sich über die Ausrichtung des Unterrichtes des Faches Literatur an den unterschiedlichen Studienkollegs klar zu werden, fanden wir es hilfreich, mit folgenden Kategorien zu arbeiten. Sie haben sich auf der Tagung als hilfreiche Kategorisierung herausgestellt und den Austausch erleichtert, daher bleiben sie bis zur nächsten Tagung auf dieser Seite:

 

a)    Frage nach der kulturellen Verortung des Kunstwerks

 

Stichworte:  

Landeskunde/ Kulturelle Dimension/  Kulturwissenschaft/ Inter-kulturelle Kompetenz/ Kanon/ Epochen/ wesentliche Aspekte kultureller Identität/ symbolische Kompetenz/…

 

Mögliche Schwerpunkte:

-> Fokus auf den kulturellen Referenzrahmen des Kunstwerks/ der historischen u. kulturellen Verortung des Kunstwerks

-> Fokus auf kultureller Identität über die Kenntnis von Kunstwerken    

b) Frage nach der Gemacht-heit des Kunstwerkes

 

Stichworte:

Propädeutik/ Rezeptionsästhetik/ Fiktionalität/ Medienkunde/ Aufbau v. Kunstwerken/ Erzählelemente und deren Wirkung/…

 

 

Mögliche Schwerpunkte:

-> Fokus auf den analytischen Kompetenzen der Studenten

-> Fokus auf der produktiven Kompetenz der Studenten



c)    Frage nach der Vermittlung von Sprache durch das Kunstwerk

 

Stichworte:  

Sprachunterricht/ DaF/ Literarizität/ Erweiterung der Sprachkompetenz/..

 

Mögliche Schwerpunkte:

-> Fokus auf allgemeine Sprachvermittlung

 -> Fokus auf die Vermittlung der Besonderheit literarischer Texte (Literarizität)    



d) Vorbereitung der Studenten auf das Studium des Faches Deutsche Literatur 

 

e)...  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Der Begriff „Literarizität“ bezeichnet nach Riedner/Dobstadt (unter Berufung auf Roman Jakobson) die literarische Dimension der Sprache im Allgemeinen, die aber in literarischen Texten besonders präsent ist[1]. Durch die Literarizität wird der Lesende den Autoren zufolge dazu angeregt, den Blick „auf das Wortmaterial selbst, auf dessen Form und Arrangement“[2] zu richten, was einen verfremdenden Effekt hat und zum Erkennen der Gemachtheit von Sprache führt.

 

 

In verschiedenen Forschungsbeiträgen aus dem Fachbereich Deutsch als Fremdsprache wird in den letzten Jahren immer wieder die Forderung laut, die Literarizität – auch in Abgrenzung von rein inhaltsbezogenen oder landeskundlichen Zugängen – wieder mehr in den Fokus der Arbeit mit literarischen Texten zu rücken.

 



[1] vgl. Michael Dobstadt/Renate Riedner:  Zur Rolle und Funktion der Literatur und des Literarischen in Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Forschungsfeld und Forschungsperspektiven der Literaturwissenschaft im Fach; in: Claus Altmayer/Michael Dobstadt/Renate Riedner u.a.: Literatur in Deutsch als Fremdsprache und internationaler Germanistik. Konzepte, Themen, Forschungsperspektiven, Tübingen: 2014, S.155.

[2] ebd. S. 156.


Davon ausgehend würden wir gerne folgende Fragen diskutieren:

 

  • Welche Voraussetzungen müssen Texte erfüllen, damit Nicht-Muttersprachler in der Lage sind, deren sprachliche Besonderheiten zu erkennen und zu interpretieren? (Hier wäre es schön, wenn wir eine Liste geeigneter Texte zusammenstellen könnten)

 

  •  Welche methodischen Zugänge sind für unsere Studierenden geeignet? Welche produktiven/kreativen Verfahren bieten sich an, um das Bewusstsein für die Literarizität von Texten zu schärfen?

 

  •      Ist die Tatsache, dass Deutsch für den Großteil unserer Studierenden eine Fremdsprache ist, vielleicht sogar von Vorteil, wenn es darum geht, den verfremdenden Effekt des literarischen Sprachgebrauchs zu verstehen? Und falls ja: Worin besteht dieser Vorteil und wie lässt er sich im Unterricht produktiv nutzen?